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Kollegiale Instanz für Komplementärmedizin

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Neuraltherapie

Die Neuraltherapie nach Huneke ist eine Regulationstherapie. Sie geht auf die Entdeckung durch die Brüder Walter und Ferdinand Huneke (1925) zurück.

Die Neuraltherapie ist eine Injektionsbehandlung, welche Lokalanästhetika zur Diagnostik und Therapie benutzt: Es werden gezielt Reize gesetzt und pathologische Belastungen unterbrochen (z.B.“Teufelskreis“ im Schmerzgeschehen). Dadurch kann sich das System neu organisieren und den physiologischen Zustand wieder anstreben.

Aus Fischer L. Neuraltherapie nach Huneke. Neurophysiologie, Injektionstechnik und Therapievorschläge. 3.A., Hippokrates, Stuttgart, 2007.

Indikationen

Akute und chronische Schmerzen, Entzündungen, Durchblutungsstörungen, Autoimmunerkrankungen, vegetative Störungen u.a.

Behandlungsarten

1. Lokale Therapie

Hier wird direkt in die betroffene Struktur injiziert: z.B. in die Muskulatur (Trigger-Punkte), an schmerzhafte Sehnenansätze und an Gelenke usw.

2. Segmentale Therapie

Haut, Muskulatur und inneres Organ sind reflektorisch (d.h. über die Nervenbahnen via Rückenmark) miteinander verschaltet. Der Hauptträger dieser Verschaltung ist der Sympathikus. Die Segmenttherapie wirkt regulierend auf die Haut, auf die Muskulatur und auf das innere Organ. Injektionsorte sind vegetative Ganglien, Nervenwurzeln, periphere Nerven usw.

3. Störfeldtherapie:

Das Störfeld ist ein chronischer, meist asymptomatischer Reizzustand einer bestimmten Körperstruktur (Veränderungen im Zahn-Kieferbereich, Narben, chronische Entzündungen usw.). Störfelder können Beschwerden und Krankheiten in anderen Körperbereichen verursachen. Nach gezielter Befragung und Untersuchung wird das Störfeld durch Injektion eines Lokalanästhetikums vom vegetativen Nervensystem vorübergehend abgekoppelt. Dabei können Engramme (“Gedächtnis“) im vegetativen Nervensystem “gelöscht“ werden.

Weitere Prinzipien der Neuraltherapie

Die Injektionen werden nicht nur zur Behandlung angewendet: Die gezielte kurzzeitige Ausschaltung irritierter oder schmerzhafter Strukturen erlaubt auch eine präzise Diagnostik: Beispielsweise bei schmerzhaften Verhärtungen in der Muskulatur (Trigger-Punkte), Nerven, blockierten Gelenken usw. Die Neuraltherapie wirkt primär über die regulatorischen Eigenschaften des vegetativen Nervensystems. Schmerzen und Entzündungen können von einem Teil des vegetativen Nervensystems, dem Sympathikus verursacht und aufrechterhalten werden. Hier bewirkt eine (evtl. wiederholte) neuraltherapeutische Behandlung eine Unterbrechung des “Teufelskreises“ von Schmerz und Entzündung.

Wissenschaftlicher Nachweis

Der wissenschaftliche Nachweis von Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit wird durch eine grosse Zahl publizierter Kasuistiken sowie durch verschiedene klinische Studien erbracht.

Egli S, Pfister M, Ludin SM, Busato A, Fischer L. Können Lokalanästhetika (Neuraltherapie) bei überwiesenen, therapieresistenten, chronischen Schmerzpatienten einen Circulus vitiosus durchbrechen? Neurophysiologie und klinische Daten. Anerkannt als Dissertation an der Universität Bern 2010, in Publikation.
Institut für Evaluative Forschung in der Orthopädischen Chirurgie, Universität Bern (A. Busato) und KIKOM, Dozentur Neuraltherapie, Universität Bern (L. Fischer).
Kommentar: Alle in einem definierten Zeitraum von Ärzten schriftlich zugewiesenen Patienten mit chronischen Schmerzen wurden ausgewertet. Mit durchschnittlich nur 9 Konsultationen innerhalb eines Jahres erfuhren 78% dieser chronischen, vorgängig therapieresistenten Schmerzpatienten eine Verbesserung der Beschwerden oder gar Beschwerdefreiheit.

Pfister M, Fischer L. Die Behandlung des komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) der oberen Extremität mit wiederholter Lokalanästhesie des Ganglion stellatum. Praxis 2009;98:247–57.
Kommentar: Klare und rasche Resultate beim schweren Krankheitsbild des CRPS. Mit der Lokalanästhesie über den Sympathikus inkl. Integration von Störfeldern. In dieser Arbeit werden neue Aspekte der neurogenen Entzündung diskutiert, sie wurde peer reviewed publiziert und hat eine hohe internationale Resonanz ausgelöst.

Dönges A, Fischer L, Marian F, Widmer M, Herren S, Busato A. Evaluation of neural therapy and comparison with conventional medicine: Structure, Process an Outcomes. 2005. Institut für Evaluative Forschung in der Orthopädischen Chirurgie, Universität Bern (A. Busato) und KIKOM, Dozentur Neuraltherapie, Universität Bern (L. Fischer).
Kommentar: Verglichen wurden 191 Praxen mit konventioneller Medizin und 3263 Patienten versus 30 Praxen mit integrierter Neuraltherapie und 1127 Patienten. Outcomes: Bessere positive Behandlungseffekte in der Neuraltherapiegruppe mit höherer Patientenzufriedenheit. Die neuraltherapeutisch behandelten Patienten benötigten signifikant weniger Medikamente. Ebenfalls signifikant geringere Arbeitsunfähigkeiten in der Neuraltherapiegruppe. Längere Warteliste in neuraltherapeutischen Praxen. Die Neuraltherapie wird in den meisten Fällen nicht additiv, sondern substitutiv angewendet.

Mermod J, Fischer L, Staub L, Busato A. Patient satisfaction of primary care for musculoskeletal diseases: A comparison between Neural Therapy and conventional medicine. BMC 2008;8/33:1-10. http://www.biomedcentral.com/1472-6882/8/33
Institut für Evaluative Forschung in der Orthopädischen Chirurgie, Universität Bern (A. Busato) und KIKOM, Dozentur Neuraltherapie, Universität Bern (L. Fischer).
Kommentar: Diese grosse Studie mit insgesamt 405 Patienten wurde 2008 einerseits als Dissertation von der Universität Bern anerkannt, andererseits im BMC peer reviewed publiziert. Sie zeigt signifikant bessere Behandlungsresultate bei Patienten, welche mit Neuraltherapie behandelt wurden (gegenüber konventioneller Behandlung). In der Neuraltherapiegruppe mussten auch weniger Arbeitsunfähigkeiten verschrieben werden.

Bissig P, Schoeni-Affolter F, Fischer L, Busato A. Is Neural Therapy cheaper than conventional medicine? A comparison of cost structure in Swiss primary care providers – An observational study. Anerkannt als Dissertation an der Universität Bern 2008, in Publikation.
Institut für Evaluative Forschung in der Orthopädischen Chirurgie, Universität Bern (A. Busato) und KIKOM, Dozentur Neuraltherapie, Universität Bern (L. Fischer).
Kommentar: Verglichen wurden rein konventionell-medizinische Grundversorgerpraxen mit Grundversorgerpraxen, welche die Neuraltherapie integriert haben. Es wurden insgesamt 4103 Patienten ausgewertet. Bei den totalen jährlichen Kosten fand sich keine Differenz (obwohl in der Neuraltherapiegruppe länger und schwerer kranke Patienten behandelt wurden), jedoch in der Kostenstruktur: Beispielsweise benötigten Neuraltherapiepatienten signifikant weniger Medikamente. In der Neuraltherapiegruppe mussten auch weniger Physiotherapien verschrieben werden, ebenfalls weniger Arbeitsunfähigkeiten. Auch die Laborkosten waren bei den neuraltherapeutisch tätigen Grundversorgern niedriger.

Fischer L. Wie Lokalanästhetika chronische Schmerzen kontrollieren können. Hausarzt Praxis 2007/11 (40-43).

Fischer L, Pfister M. Wirksamkeit der Neuraltherapie bei überwiesenen Patienten mit therapieresistenten chronischen Schmerzen. Schweiz Zeitschr GanzheitsMedizin 2007;19/1:30-35.
Kommentar: Eingeschlossen waren alle von Ärzten schriftlich zugewiesenen Schmerzpatienten (n = 72) zur Neuraltherapie, welche im Durchschnitt sechs Jahre an der Schmerzkrankheit litten und therapieresistent auf alle konventionell-medizinischen Massnahmen (evidenz-basiert) waren. Zwei Dritteln der Patienten konnte sehr gut geholfen werden mit mehrmonatiger Beobachtungszeit. Im Durchschnitt waren lediglich 8.2 neuraltherapeutische Konsultationen insgesamt pro Patient notwendig. Bei mehr als der Hälfte der Patienten konnte der Schmerzmittelverbrauch langfristig gesenkt werden. Verschiedene bereits geplante Operationen (dokumentiert) konnten eingespart werden.

Fischer L, Barop H, Maxion-Bergemann S. Health Technology Assessment Neuraltherapie nach Huneke (HTA) im Rahmen Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK) des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit. Januar 2005. Zusammenfassung unter http://www.santh.ch/assets/files/downloadsection/de/3_Literatur/40_Publikationen/Health%20technology%20assesment-Bericht%20Zusammenfassung.pdf
Kommentar: Die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit, wird hier nachgewiesen, teilweise auch mit Hilfe international renommierter Publikationen. Zudem wird die Integration der lokalen und segmentalen Neuraltherapie (als diagnostische und therapeutische Lokalanästhesie) in die konventionelle Medizin aufgezeigt, ebenso der Nachweis des Störfeldes (in weltweit anerkannten peer reviewed publizierten Arbeiten).

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